ForschungForschungsprojekte
Planerinnen und Planer, ihr Alltag und ihre Entscheidungen. Die empirische Analyse des Alltagshandelns von Stadtplanerinnen und Stadtplanern als Beitrag zur Reflexion des Planungsverständnisses und zur Weiterentwicklung planungstheoretischer Ansätze

Planerinnen und Planer, ihr Alltag und ihre Entscheidungen. Die empirische Analyse des Alltagshandelns von Stadtplanerinnen und Stadtplanern als Beitrag zur Reflexion des Planungsverständnisses und zur Weiterentwicklung planungstheoretischer Ansätze

Leitung:  Prof. Dr. Frank Othengrafen, Dr. Meike Levin-Keitel
Team:  M.Sc. Dominique Charlotte Breier
Jahr:  2016
Datum:  11-06-16
Förderung:  Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit:  September 2016 - Februar 2019
Ist abgeschlossen:  ja

Projektbeschreibung:

Was machen Stadtplaner/innen im Alltag? Erstellen sie Pläne oder Konzepte, verhandeln sie mit Investor/innen, tauschen sich mit Bürger/innen aus oder schreiben sie Stellungnahmen für Politiker/innen? Wir wissen sehr viel über die Handlungsfelder, in denen Stadtplaner/innen tätig sind, welche formellen und informellen Instrumente sie nutzen, in welchem institutionellem Umfeld sie arbeiten. Allerdings gibt es bislang keine gesicherten empirischen Erkenntnisse, wie das konkrete Handeln von Stadtplaner/innen, die in der öffentlichen Verwaltung arbeiten, im Alltag aussieht und was das für ihr jeweiliges (disziplinäres) Verständnis von Planung bedeutet.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es daher, über die empirische Analyse der Planungspraxis und der Erfahrungen von in der Verwaltung tätigen Stadtplaner/innen zu einer kritischen Reflexion und Differenzierung des disziplinären Selbstverständnisses von Planung beizutragen und bisherige – oftmals ohne empirische Bezüge idealtypisch hergeleitete – planungstheoretische Ansätze kritisch zu hinterfragen. Dabei werden zum einen die individuellen Einflussfaktoren wie der soziale Hintergrund, persönliche Interessen oder das kontextabhängige Arbeitsumfeld, die die Rollenwahl und das Rollenverständnis von Planer/innen beeinflussen, herausgearbeitet. Zum anderen werden aber auch institutionelle, disziplin-bedingte und kulturelle Einflüsse identifiziert – wie bspw. die Herausbildung eines bestimmten Planungsverständnisses in einem Planungsverband oder eines disziplinären (Selbst-)Verständnisses im Rahmen der Ausbildung.

Grundlage der empirischen Arbeit bildet eine schriftliche Umfrage unter allen Planer/innen, die in Mittelstädten (20.000-100.000 Ew.) tätig sind. Zum einen sind Mittelstädte – neben Kleinstädten – typisch für das deutsche Siedlungssystem und die Strukturierung des Raumes, zum anderen ist zu vermuten, dass das Aufgabenspektrum von Stadtplaner/innen, die in den Verwaltungen von Mittelstädten tätig sind, weniger spezialisiert ist als das der in Großstädten tätigen Planer/innen. Damit kann insbesondere die empirische Analyse der Planungspraxis in Mittelstädten zu einer (kritischen) Reflexion und Differenzierung des disziplinären Selbstverständnisses von Planung beitragen. Im Rahmen der schriftlichen Umfrage werden in einem zweiten Schritt 20 Stadtplaner/innen auf freiwilliger Basis ausgewählt, um sie in ihrer alltäglichen Planungspraxis zu begleiten. Ihre Handlungen und ihr Alltag werden über teilnehmende (mehrtägige) Beobachtungen und Experteninterviews dokumentiert und analysiert, gleichzeitig werden ihre individuelle Prägung und ihre Einstellungen, moralischen Vorstellungen etc. hinterfragt. Unter Berücksichtigung biographischer Aspekte sowie ihrer ethischen Grundhaltungen können Aussagen zu den dahinter liegenden individuellen und institutionellen frames, Gemeinsamkeiten und Differenzen planerischer Prägungen etc. abgeleitet werden.